Porträt

Ethno modern

Seidenschal mit Fransen in Ikat-Webtechnik aus Laos. Foto: Folkdays

Zu Besuch bei Folkdays

Dass Kunsthandwerk cool aussehen kann, zeigt das Label Folkdays. Die stilvollen Accessoires aus fairem Handel gibt’s jetzt online. Die Geschichten hinter den Produkten werden gleich mitgeliefert. Ein Besuch bei Lisa Jaspers von Folkdays in Berlin.

Cool wirkt auch das schneeweiß eingerichtete Kreuzberger Büro von Lisa Jaspers, eine der Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von Folkdays aus. Sie begrüßt mich herzlich und serviert Minztee. Auf dem Sofa hat sie Schals aus Kaschmir, Alpaka und Seide in taubengrau, dunkelrot oder mit grau-curryfarbenem Zickzackmuster ausgebreitet. Sie stammen aus dem indischen Kaschmirtal, aus Bolivien und Laos, wo traditionelle Webtechniken von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Wie Lisa Jaspers auf die Idee kam, diese Unikate in Deutschland zu verkaufen, will ich wissen. „Im Fair Fashion-Bereich gibt es wenig coole Accessoires, die ich als junger Mensch tragen würde,“ sagt sie, die als Beraterin in der Entwicklungshilfe gearbeitet hat. Ihre Mutter kauft bei Hess Natur ein, dafür fühlt sich die 30-Jährige noch zu jung – sie trägt Pferdeschwanz, ein Strickkleid und einen winzigen Nasenring.
Auf einer Reise nach Guatemala hat Lisa Jaspers die norwegische Textildesignerin Heidi Strom kennen gelernt, die gerade das Projekt „Designer ohne Grenzen“ mit lokalen Weberinnen geleitet hat. Beide fanden die Sachen toll, die dort in Handarbeit entstanden. Unikate in hoher Qualität. So etwas müsste man doch auch in Deutschland verkaufen können, überlegten sie sich und gründeten Anfang des Jahres Folkdays. „Wir wollen, dass die Menschen in Entwicklungsländern ihre alte Handwerkskunst bewahren und damit Geld verdienen können, oft fehlt es denen ja am Zugang zu den Kunden“. Wenn ihr Konzept aufgeht, profitieren auch die Manufakturen und Handwerksbetriebe und die einzelnen Künstler davon, Folkdays beteiligt sie am Gewinn, „davon können sie dann neue Webstühle oder Nähmaschinen kaufen und mitwachsen“, sagt Jaspers.
Im August gingen Jaspers und Strom – letztere lebt mittlerweile in Paris – zum ersten Mal auf Shoppingtour und reisten nach Südostasien. „In Kambodscha waren wir in Minidörfern in der Takeo-Provinz, dort ist seit Jahrhunderten das Herz der Seidenproduktion“, erzählt Jaspers. Die Frauen dort können noch die alte Technik des Ikatwebens. Die Seidenfäden werden in Batiktechnik eingefärbt und dann kunstvoll gewoben. So entstehen Schals mit wunderschönen Zickzackmustern, die jetzt auch Kunden von Folkdays erwerben können.
Zweimal im Jahr wollen Lisa Jaspers und Heidi Strom in Zukunft reisen und neue Accessoires einkaufen. Hochwertige Unikate mit Geschichte zum selber tragen oder verschenken. Eine schöne Idee.

Für Kosmetik und Krimskrams: Täschchen aus Thailand. Foto: Folkdays

Folkdays Pop-up Shop am Samstag, 23.11. von 9-19 Uhr, danach gibt’s die Lauch-Party in der Torstr. 68, Berlin-Mitte

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