Interview, Labels, Mode

Fashionweek: Winter auf Britisch

Mein Favorit: Jumper aus Aran-Wolle und Biobaumwolle von Goodone. Foto: Ellen Köhrer

Interview: Goodone, Nin Castle

Die Bomberjacken mit Strickzöpfen, Ledereinsätzen und weinroten Ärmeln war eines meiner Lieblingsteile auf der Premium. Material- und Mustermix ganz nach meinem Geschmack. Raffiniert, grafisch und warm obendrein. Beim Lavera Showfloor in Berlin gab’s dann die gesamte Winterkollektion 2014 von Goodone zu sehen, Deutschland-Premiere für das preisgekrönte britische Label. Nin Castle, 32, entwarf bereits Kollektionen für Asos und unterrichtete an der legendären Londoner Modeuniversität Central St. Martins. Nach der Show sprach ich mit der quirligen Goodone-Designerin welche Rolle ausgemusterter Strickpullis in ihrer Kollektion spielen und warum sie jetzt nur noch Wintersachen entwirft.

Grün ist das neue Schwarz: Warum hast du ein nachhaltiges und kein konventionelles Label gegründet?
Nin Castle: Während meines Studiums (Fashion and Business Studies in Brighton) habe ich viel über die Fast Fashion Industrie gelernt und beschlossen, dass ich so nicht arbeiten will. Die nachhaltigen Label, die es damals gab, entwarfen Alltagskleidung, vom Design her nicht besonders spannend. Nach dem Studium dachte ich, jetzt ist Zeit reif, dass du dein eigenes Label gründest. Das war 2006, und seitdem gibt es Goodone.

Goodone steht für einen besonderen Mix aus Upcycling mit neuen Biofasern. Wie kam es dazu?
Wir alle haben schon so viele Textilien und kaufen immer noch mehr. Und was machen wir mit unseren gebrauchten Klamotten? Wir geben sie in die Altkleidersammlung. Für Herstellung und Recycling brauchen wir aber sehr viel Energie. Die grünsten Stoffe sind deshalb die, die es bereits gibt. Und genau die nehmen wir für unsere Entwürfe. So sparen wir Energie und brauchen weder zusätzlich Wasser noch Chemikalien. Wir mischen gebrauchte Stoffe mit neuen nachhaltigen Stoffen aus Großbritannien. Das ist das Besondere bei Goodone. Dadurch sind wir viel freier im Design und können unsere hohe Qualität halten, das vereinfacht auch die Produktion. Die meisten Upcycling-Label können ja nur kleine Stückzahlen herstellen, weil die ihre Kleidung aus Rest- und Musterstoffen machen. Obwohl wir ein kleines Label sind, kann man bei uns zum Beispiel 500 Kleider bestellen und ich kann sie liefern. Durch die Mischung aus alt und neu kann ich Masse produzieren.

Woher bekommst Ihr die gebrauchten Stoffe für Eure Entwürfe?
Die Aran-Strickstoffe (Wollpullis mit Zopf- und Rautenmustern, ursprünglich aus Irland) bekommen wir aus Textilrecyclingfabriken. Ich kaufe dort Stricksachen, die die Secondhandhändler nicht haben wollen. Besonders kleine oder großen Größen, seltsame Farben oder Sachen mit kleinen Fehlern. Alles in bester Qualität. Die mische ich mit Biobaumwolle oder Velourleder. Das wichtigste für mich ist, dass die Leute meine Kleidung wegen des Designs haben wollen und nicht weil sie aus recycelten Stoffen besteht. Sie muss sexy sein und darf auf gar keinen Fall nach grüner Mode aussehen.

War die Fashion Show in Berlin die Deutschland-Premiere für Goodone?
Ja, das war meine erste Show hier aber die zweite Saison in Deutschland.

Von Goodone gibt es jetzt nur noch eine Kollektion im Jahr, warum?
Wir konzentrieren uns jetzt auf Aran-Stricksachen aus Wolle. Wir haben bis letztes Jahr immer zwei Kollektionen im Jahr gemacht, doch das war Stress pur, obwohl ich ein Team von sechs Leuten hatte. War eine Kollektion fertig, mussten wir uns schon an die nächste machen. Wir hatten kaum Zeit zum Durchatmen. Die Herbst-/Wintersaison lief aber immer viel besser als Frühjahr/Sommer. Und Wolle ist einfach das Beste zum Wiederverwerten. Nach sechs Jahren Goodone beschloss ich deshalb, dass wir aus dem Fashion-Karussell aussteigen und nur noch eine Kollektion im Jahr entwerfen. Mein Team in London habe ich jetzt auf drei Leute reduziert (produziert wird in Bulgarien). Das funktioniert für uns viel besser.

Spannung in Lila: Gleich startet die allererste Fashionshow von Goodone in Deutschland beim Lavera Showfloor Berlin. Foto: Ellen Köhrer

Hier könnt Ihr die Goodone Fashionshow ansehen.

Goodone gibt’s in Berlin, Hamburg oder München oder online, wo genau, findet Ihr hier.  Bomberjacken kosten um die 200 Euro, Pullover 100 Euro und Kleider zwischen 150 und 170 Euro.

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