Nachlese: Meine ecofairen Lieblinge

Typisch Berlin: Zur Fashion Week rieselt Schneeregen aus grauen Wolken auf die Hauptstadt der Mode. Und uns Messebesuchern weht ein eisiger Ostwind um die Nasen. Drinnen im Postbahnhof ist alles im grünen Bereich: Die beiden ecofairen Modemessen Green Showroom und Ethical Fashion Show Berlin wachsen und wachsen, deshalb wurden sie jetzt zusammengelegt. Gute Entscheidung. Die Belohnung: 30 Prozent mehr Aussteller. 163 Labels aus 23 Ländern zeigen, was wir im Herbst/Winter 15 mit gutem Gewissen tragen werden.
Entwicklungsminister Gerd Müller, der sich mit seinem Textilbündnis für ecofaire Mode engagiert, kam zur Eröffnung und schmeichelte den Anwesenden „Wir hier sind Pioniere der Branche“, und konstatierte, dass immer mehr Verbraucher fragen „Was trage ich auf meiner Haut?“. Gut so.

Lieblinge Fashion
Was ich selbst am liebsten im nächsten Herbst/Winter tragen würde, seht ihr hier.

Studio Elsien Gringhuis. Foto: Timur Emek/getty images for Greenshowroom

Studio Elsien Gringhuis. Foto: Timur Emek/getty images for Greenshowroom

Studio Elysien Gringhuis zeigt bei der Salonshow mal wieder die coolsten schwarzen Kleider, die auch noch der Figur schmeicheln. Die Schnitte sind auch deshalb so minimalistisch, damit möglichst wenig Stoffreste beim Zuschneiden übrig bleiben. Und weil die Holländerin weiß, wie man subtil auffällt, tragen ihre Models krebsrote Strumpfhosen mit Schottenkaro. Simpler Trick, umwerfende Wirkung.

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Greenshowroom: Lanius aus Köln. Foto: Ellen Köhrer

Eggshape-Mäntel gab’s beim Stand von Lanius aus Köln. Besonders schön: ein cremefarbender Bouclémantel oder das Modell mit dem beige-schwarzem Muster, das aussieht wie Ölfarbe auf Wasser – erinnert mich irgendwie an meinen Kunstunterricht und die schönen Experimente. Ach, lange her.

Seidenkleid von Cocccon. Foto: Ellen Köhrer

Seidenkleid von Cocccon. Foto: Ellen Köhrer

Cocccon produziert rückenfreie, bodenlange Kleider und duftige Schals raus Bananenseide. Der Stoff wird aus den Fasern der Bananenblätter gewonnen, erklärte mir der Designer Chandra Prakash Jha. Seide für Veganer also. Der Inder, mit Firmensitz im westfälischen Hagen, hat eine Vorliebe für leuchtende Farben und Muster. Ein Teil der Kollektion ist aus gewaltfreier Seide hergestellt. Gewaltfrei deshalb, weil die Seidenraupen, nachdem sie den feinen Seidenfaden gesponnen haben, am Leben bleiben dürfen. Das ist bei der Seidenherstellung leider die Ausnahme.

Mud Jeans, Pullover und Cardigan aus recycelten Jeans. Foto: Ellen Köhrer

Mud Jeans, Pullover und Cardigan aus recycelten Jeans. Foto: Ellen Köhrer

Wer es sportlicher mag: Mud Jeans hat ja im letzten Jahr mit der Idee zum Jeansleasen für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt erweitern die Holländer ihre Kollektion. Sie haben aus recycelten Jeans Cardigans für Frauen und Matrosenpullis für Herren entworfen. Außerdem gesellen sich zu den Skinnyjeans jetzt auch Boyfriendschnitte und Hosen aus Raw Denim, also unbehandeltem, dunkelblauem Jeansstoff. Für den Used-Look sorgt dann der Träger ganz alleine.

Lieblinge Taschen und Schmuck

Taschen aus pflanzlich gegerbtem Kalbsleder von Pira. Foto: Ellen Köhrer

Taschen aus pflanzlich gegerbtem Kalbsleder von Pira. Foto: Ellen Köhrer

Besonders stark fand ich diesmal die Auswahl an Taschen und Schmuck. Pira zeigte handgefertigte Taschen aus pflanzlich gegerbtem, handschuhweichem Leder mit handgeflochtenen Henkeln. Dass Narben, Kratzer und die Form der Häute sichtbar bleiben, gehört mit zum Konzept.

Schmuck von Rahel Krapick, ESMOD-Master-Absolventin. Foto: Ellen Köhrer

Schmuck von Rahel Krapick, ESMOD-Master-Absolventin. Foto: Ellen Köhrer

Rahel Krapick, Absolventin des ESMOD-Masters Sustainability in Fashion, hat mit „Ro“ eine neomodere Schmucklinie aus recyceltem Kupfer entworfen. Die Körperketten kann man beliebig ergänzen und so ihre Form verändern. Die blattförmigen Amulette der Armbänder stammen aus dem 3D-Drucker und lassen sich später einmal recyceln oder auf den Kompost werfen. Dazu sind sie allerdings viel zu schade.

Schmuck von idict by Anabela Marquesa. Foto: Ellen Köhrer

Schmuck von idict by Anabela Marques. Foto: Ellen Köhrer

Die portugiesische Künstlerin Anabela Marques entwirft für ihr Label Idict Ketten aus recycelten PET-Flaschen und alten Zeitschriften. Daraus entstehen überraschend elegante Gebilde, die eher an Glasketten als an Plastik erinnern.

 

6 Gedanken zu “Berlin Fashion Week

  1. ekoehrer schreibt:

    Herzlichen Dank für’s Kompliment. Selber Nähen ist eine schöne Alternative. Viel Spaß an Deiner Nähmaschine!

  2. Rahel schreibt:

    Toller Blog! Auch das Video gefällt mir, bzw. der Inhalt. Da sind ein paar echt schöne Stücke dabei. Die sind wahrscheinlich viel zu teuer :/ Aber vielleicht schaff ich es ja, das ein oder andere Teil mit meiner Nähmaschine selber zu machen 🙂

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