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Messerückblick

Was gibt's für Trends im Frühling und Sommer nächsten Jahres? Royal Blush by Jana Keller aus der Schweiz zeigt, wohin die Reise bei Mode und Accessoires geht, Foto: Ellen Köhrer

Was gibt’s für Trends im Frühling und Sommer nächsten Jahres? Royal Blush by Jana Keller aus der Schweiz zeigt, wohin die Reise bei Mode und Accessoires geht. Foto: Ellen Köhrer

Ecofaire Mode samt Bloggertreffen auf der INNATEX

Das letzte Juliwochenende war ich zur INNATEX (Internationale Fachmesse für nachhaltige Textilien) im hessischen Hofheim-Wallau eingeladen. Ich war neugierig, was sich jenseits der Hauptstadt in der ecofairen Mode- und Textilszene tut.

Der Messeort: eine zweistöckige Halle mitten im Industriegebiet – das Wiesbadener Kreuz vor der Haustür, die grünen Hügel des Taunus in Sichtweite. Apropos grün, am Samstag verschaffte ich mir einen ersten Überblick über die Szene. 270 Labels zeigten ihre Trends für den Frühling und Sommer im nächsten Jahr. Mode für Damen, Herren, Kinder sowie Heimtextilien. Auf der INNATEX fand man ecofaires für jeden Geschmack: modernes, cooles und minimalistisches Design gab’s vorwiegend in Halle 2. Die stärksten Kollektionen stammten aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark und Frankreich. Auch diejenigen, denen ecofaire Produktion wichtiger ist als Mode und Design orderten hier fleißig.

Ecofaire Blogger zwischen Pragmatismus, Aktionismus und Journalismus
Am Sonntag war morgens Bloggertreffen im weißen Zelt vor den Messehallen. Franziska Schmid von Veggie Love und Autorin von „Local Superfoods“ und „7 Tage grün“ gab Tipps an die Kolleginnen und Kollegen. Sehr pragmatisch, man merkt, dass sie BWL studiert und in der PR-Branche gearbeitet hat, bevor sie ihren eigenen Blog gründete. Schmid plädiert für starke Inhalte, einen Redaktionsplan und das Fragen nach einem Budget, wenn einen PR-Agenturen mit Geschenken zum Posten ihrer Produkte locken will. Sie selbst habe alle Werbeformen schon ausprobiert, jeder müsse selbst herausfinden, was für ihn passe. Momentan arbeitet sie an ihrem dritten Buch, ich bin sehr gespannt, was es dieses Mal wird.
Anschließend hat Kirsten Brodde, Journalistin, Autorin von „Saubere Sachen“ und „Protest“, Bloggerin von Grüne Mode und bei Greenpeace für die Detox-Kampagne zuständig, zum Nachdenken und kritischen Berichten angeregt. Das Bloggen habe sie beim Schreiben ihres ersten Buches angefangen. Aufmerksamkeit und Leser fand sie durch eine Minikampagne. Sie bestellte bei Tchibo zwei T-Shirts, die man mit einem Slogan seiner Wahl bedrucken lassen konnte. “Dieses T-Shirt hat ein Kind genäht“ und “Gefertigt für Hungerlöhne” sollte drauf stehen.
Tatsächlich wurden sie genau so von Tchibo produziert. Brodde stellte sich damit vor einem Hamburger Tchibo-Filiale und informierte Spiegel Online über ihre Aktion. Ein Platzverweis war ihr sicher. Ihr Ziel, Aufmerksamkeit für ihren Blog zu generieren, hatte sie erreicht. Heute lässt der Konzern einen Teil seiner T-Shirts aus zertifizierter Biobaumwolle von Produzenten, die Mitglied der Fair Wear Foundation sind, herstellen – zum Teil wohl auch mit Broddes Verdienst. So einfach und wirkungsvoll kann Bloggen sein.
Gerade sei sie aber etwas bloggermüde. Auf der Suche nach dem Gegentrend zum Konsumrausch ist Brodde jetzt auf den Minimalismus gestoßen. In Asien, speziell Japan, zu beobachten und auch bei uns immer wichtiger, das hätten ihr Psychologen bestätigt. Spannend fand ich auch, dass Brodde bei Kampagnen zu Greenpeace-Detox Modefotografen für die Kampagnenbilder engagiert. Damit sollen Fast Fashion-Fans irritiert und zum nachdenken angeregt werden. Mit derselben Ästhetik, die sie von echten Modefotos kennen.

Meine sechs INNATEX-„Lieblinge“
Gemeinsam mit Hindi Kiflai vom Secondhandblog Dailyrewind bin ich  am Samstag über die Messe geschlendert. Sonntag noch mal alleine und mit Kamera. Hier also meine sechs „Lieblinge“.  Ganz subjektiv natürlich.

No. 1:  Royal Blush
Royal Blush aus der Schweiz erweitert die Kollektion. Designerin und Labelgründerin Jana Keller hat jetzt auch Blusen und Hemdblusenkleider aus Ahimsa-Seide mit Biobaumwolle im Programm. Besonders schön, die Lasercut-Lochmuster. Dazu handgeflochtene Caps und Hüte aus feinen Palmblättern, hergestellt in Peru. Außerdem Anhänger in Blattform aus pflanzlich gegerbtem Kalbsleder als Hals- oder Schuhschmuck.

No. 2: Deepmello
Bei Deepmello aus Bernburg an der Saale gibt’s neben handschuhweichen Taschen aus Rhabarberleder (gegerbt mit einem Extrakt aus der Rhabarberwurzel) immer mehr Mode. Elegante schwarze Kleider, mal mit tiefem Rückenausschnitt und Lederriegel zum Verstecken des BHs, mal in A-Linie mit züchtigem Stehkragen und abnehmbarem Lederriegel zum Drapieren nach Lust und Laune. Labelgründerin Anne-Christin Bansleben ist seit Juni übrigens auch Vorstandsmitglied des IVN Internationaler Verband für Naturtextilien.

No. 3: Lanius
Lanius aus Köln zeigt erwachsene Mode für den Alltag in der Großstadt. Claudia Lanius hat mit ihrem Team bei dieser Kollektion eine Vorliebe für Jeansblau und großflächigen Blumenprints bei ihren Kleidern, Röcken und lässigen Hosen. Dazu passen Lederblousons aus Rhabarber- und Kalbsleder mit Ärmeln aus Biobaumwolle. Eine große, stimmige Kollektion. Dazu gehört auch die 8-teilige Essentials-Linie mit schlichten Basics für den Businessalltag.

No. 4: Recolution
Das 2010 von Jan Thelen und Robert Diekmann gegründete Hamburger Streetwear-Label hat alles, was man bei einer steifen Brise braucht: Sweatshirts und Jacken mit hohem Kragen, Zipper und Kapuze für Damen und Herren. Aber auch T-Shirts. Kleider, Röcke und Hosen für Frühling und Sommer. Ein Großteil der Kollektion wird in Portugal hergestellt. „Recolution will die Brücke zwischen Klamotten, Kunst und Musik schlagen“, sagt Jan Thelen im Gespräch. Musiker und Bands wie Thomas D. oder Irie Réoltés tragen ihre Kleidung. Zusammen mit Viva con Aqua, die sich weltweit für Trinkwasser- und Sanitärprojekte einsetzen, ist kürzlich die Millerntor Gallery-Kollektion entstanden. Urbane Künstler haben die Designs entworfen. Der Verkaufserlös der Sonderkollektion geht direkt an Viva con Aqua.

No. 5: Shine Concept
Johanna Riplinger, Deutsche Designerin mit Wohnsitz Paris, stellte bei der INNATEX ihre Zweitlinie vor: eine wunderschöne Kollektion aus pflanzengefärbter Biobaumwolle in Mangotönen oder mit grafischen Mustern in braun-weiß. Die Prints werden von Hand im Siebdruckverfahren auf den Stoff aufgetragen, erzählt Co-Gründerin Sibylle Enderle. Die neue Linie ist etwas jünger, sportlicher und günstiger als Johanna Riplingers Label unter ihrem eigenen Namen. Shine Concept führt neben den gängigen Größen auch solche für die „präsentere Frau“, wie Enderle Damen mit großen Größen liebevoll nennt.

No. 6: Skrabak
Eine meiner  Neuentdeckungen: Skrabak aus Halle. Designerin Franka Skrabak nennt ihre Kollektion für Frühling/Sommer 2017 „Salz“. Sie ließ sich von der  Tradition der Salzgewinnung, die in Halle bis in die Bronzezeit zurückreicht, inspirieren. Der pyramidenförmige Salzkristall taucht als Druck auf Shorts, Kleidern und Hosen auf, oder als Blusenknopf in 3D. Auch die Sweatshirts und Culottes in Waffeloptik erinnern entfernt daran. Meine Kamera hat da leider den Geist aufgegeben, deshalb hier stattdessen Fotos aus dem Lookbook.

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