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Zukunftsvisionen

Suzanne Lee züchtet im Londoner Labor von BioCouture Stoffe aus Mikroben. Foto: AEG

Gezüchtete Stoffe, digitale Kleidung und entschleunigte Mode

Wie wird unsere Mode in Zukunft aussehen? Schaut Euch den Dokumentarfilm „The Next Black“ auf Youtube an, dann bekommt Ihr eine Ahnung davon. Ich konnte den 45-minütigen Film von David Dworsky und Viktor Köhler letzte Woche bei der Berlin-Premiere schon sehen. Hier meine Filmkritik.

„The Next Black“ porträtiert Modeforscher, Modetechnologen und Modefirmen, die heute schon fleißig an dem arbeiten, was wir in ein paar Jahren anziehen werden. Am besten gefällt mir Suzanne Lee von BioCouture, die in ihrem Londoner Labor Stoffe aus Mikroben züchtet und den Prozess mit dem Bierbrauen vergleicht. So könnte jeder Designer seine eigenen Stoffe selbst nach Bedarf herstellen, lange Transportwege wären Vergangenheit.
Spannend finde ich auch Nancy Tilbury, die in ihrem Londoner Studio XO mit digitaler Kleidung experimentiert. Sie hat für Lady Gaga ein weißes Science-Fiction-Kostüm entworfen, das Seifenblasen aus seinem Innern herauspustet. Kinder hätten ihre wahre Freude daran. Natürlich ist das nicht alltagstauglich, Tilbury forscht aber auch an einer digitalen Haut für uns und denkt darüber nach, wie wir Kleider unserer Lieblingsdesigner digital abonnieren und anziehen können.
Näher an der Gegenwart ist der Beitrag über die deutsche Fußballnationalmannschaft. Die Spieler tragen beim Training adidas-Kleidung mit eingewobenen Sensoren, die die Körperwerte jedes Einzelnen messen. Joachim Löw und Hansi Flick können auf dem Tablet mitlesen, wie schnell jeder Spieler ist, wie schnell sein Herz schlägt oder wie schnell er beschleunigt. Für Spitzensportler mag das sinnvoll sein. Wenn wir das alles messen können wird aber auch Otto Normalverbraucher komplett berechen- und vorhersehbar und ob wir das wollen, wird im Film leider nicht thematisiert.
Sportlich geht’s auch bei Rick Ridgeway vom Outdoorhersteller Patagonia zu, der mit dem Surfbrett unterm Arm am Strand über die Entschleunigung unserer Mode philosophiert.
Die Reise endet in Thailand, wo die Filmemacher in einer Fabrik der YEH-Group die ersten Maschinen zeigen, die riesige Stoffballen in Trommeln ganz ohne Wasser und ohne Chemikalien färben.
Nach dem Film haben Suzanne Lee und Nancy Tilbury mit Magdalena Schaffrin vom Green Showroom, Sandra Umann vom veganen Label Umasan und Jan Brockmann von AEG über die Zukunft der Mode diskutiert. Zum Schluss gaben sie uns fünf Tipps mit auf den Heimweg, wie wir heute schon nachhaltiger mit unserer Kleidung umgehen können:

„Denkt nach, bevor ihr einkauft. Kauft weniger. Kauft fair produzierte und umweltfreundlich hergestellte Kleidung. Recycelt, statt wegzuwerfen.“ Magdalena Schaffrin, Greenshowroom

„Lest die Labels und schaut, aus welchen Materialen eure Kleidung besteht und wo sie produziert wurde.“ Suzanne Lee, BioCouture

„Waschen Sie Ihre Wäsche bei 30 Grad.“ Jan Brockmann, AEG

 „Unterrichtet Nachhaltigkeit an den Modedesignschulen.“ Nancy Tilbury, Studio XO

„Denkt ganzheitlicher.“ Sandra Umann, Umasan

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